Ganzjahresreifen: Vorteile, Nachteile und Tipps
Das ganze Jahr bequem mit einem Reifensatz durchfahren? Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Für viele Kfz-Lenker:innen sind Ganzjahres- oder Allwetterreifen eine attraktive Alternative. Moderne, qualitativ hochwertige Modelle bieten mittlerweile einen guten Kompromiss zwischen Sommerreifen und Winterreifen. Zweifelsohne haben sie Stärken und Schwächen, die du vor dem Kauf kennen solltest. Ob sie für dich das Richtige sind, worauf du beim Kauf achten solltest und welche gesetzlichen Vorschriften bei Ganzjahresreifen gelten, zeigt unser Ratgeber.
Reifenqualität: Praxistests und Reifenlabel
Herstellerwerbung mag vieles versprechen, aber ausgefeiltes Reifenmaterial hin und ausgeklügeltes Profil her – das alles entscheidende Kriterium bei Reifen bleibt das messbare Fahrverhalten auf der Straße. Insbesondere bei schwierigen Fahrbahnverhältnissen.
Unabhängige Tests helfen weiter
Eine gute Orientierung bieten Praxistests großer Automobilclubs wie ÖAMTC oder ADAC. Sie zeigen was Sommer-, Winter- und eben auch Ganzjahresreifen tatsächlich am Asphalt leisten. Neben den Fahr- und Bremseigenschaften unter realistischen Bedingungen – trockene, nasse und winterliche Verhältnisse – werden auch Komfort, Geräuschentwicklung und Wirtschaftlichkeit (Verschleiß) unter die Lupe genommen.
Tests von 2025 zeigen große Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Ganzjahresreifen-Modellen bzw. Herstellern. Die qualitative Spannweite ist wesentlich größer als bei Saisonreifen. Während immer mehr Reifen als gut bewertet werden, wächst auch die Zahl der Modelle mit nicht genügend. Insbesondere gibt es gravierende Unterschiede beim Bremsweg – sowohl auf trockener, als auch nasser Fahrbahn. Auf schneebedeckter Straße sind die Differenzen etwas weniger drastisch.
Bei der prognostizierten Laufleistung von bis zu rund 50.000 km gibt es überraschenderweise eine durchwegs positive Bilanz. Je nach Modell, Umweltfaktoren und Fahrweise kann die Haltbarkeit beinahe mit Saisonreifen konkurrieren. Bei günstigeren Modellen verlängert sich die Laufleistung allerdings auf Kosten der Performance – so sollte es nicht sein.
Wer vergleicht, ist klar im Vorteil. Oftmals überraschende Ergebnisse bei unabhängigen Reifentests zeigen, dass es sich auszahlt, möglichst aktuelle Infos in die Kaufentscheidung miteinzubeziehen. Das gilt sowohl für Ganzjahres- als auch Saisonreifen.
EU-Reifenlabel
Objektiv vergleichbare Messwerte bietet auch das EU-Reifenlabel. Bei Ganzjahresreifen sind die gleichen Infos wie bei Saisonreifen angegeben:
Kraftstoffeffizienz (A bis E): Entscheidend dafür ist der Rollwiderstand des Reifens. Je niedriger dieser ist, umso geringer ist der Kraftstoffverbrauch und umso kleiner letztlich der CO2-Ausstoß. Anmerkung: Für den gesamten CO2-Ausstoß spielen noch viele andere Faktoren eine Rolle.
Nasshaftung (A bis E): Eine gute Nasshaftung trägt wesentlich zur Fahrsicherheit bei. Vor allem auf nasser Fahrbahn sind ein kurzer Bremsweg und stabiles Fahrverhalten entscheidend, um Unfälle zu vermeiden.
Rollgeräusch (A bis C und in dB): Eine geringere Geräuschentwicklung trägt auch allgemein zur Reduktion des Verkehrslärms bei.
Da Ganzjahresreifen auch im Winter zum Einsatz kommen, muss das Reifenlabel das Alpine-Symbol (dreizackiges Bergpiktogramm mit Schneeflocke) aufweisen. Die internationale offizielle Bezeichnung lautet 3PMSF-Symbol (Three Peak Mountain Snowflake).
Es gibt darüberhinaus ein weiteres Symbol für die Eisgriffigkeit, welches aber nur auf dem nordeuropäischen Reifenmarkt – zum Einsatz auf stark vereisten Straßen – gebräuchlich ist.
Spartipps beim Reifenkauf
Tochtermarken großer Hersteller bieten oft günstigere Alternativen zum aktuellen Top-Reifen an – meist handelt es sich dabei um Vorgängermodelle.
Insbesondere durch Online-Preisvergleiche lässt sich einiges beim Reifenkauf sparen. Die online gekauften Reifen kannst du dir nach vorheriger Absprache direkt in die Werkstatt deines Vertrauens liefern lassen.
Sicherheit geht vor: Billigreifen unbekannter Hersteller oder stark gebrauchte Reifen sind hingegen keine vernünftige Sparmöglichkeit. Da Ganzjahresreifen konstruktionsbedingt gewisse Kompromisse eingehen müssen, solltest du besser keine Qualitätsabstriche hinnehmen.
Der passende Reifen
Auch Ganzjahresreifen müssen exakt zu deinem Kfz passen – vor allem Reifengröße, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsindex.
Reifendaten
Folgendes Informationen kannst du direkt an der Reifenwand ablesen:
Reifengröße: Wird durch die Breite, das Höhe/Breite-Verhältnis und den Felgendurchmesser definiert.
Tragfähigkeitsindex: Die angegebene Zahl gibt Auskunft darüber, wieviel Last das Fahrzeug pro Reifen maximal tragen kann.
Geschwindigkeitsindex: Der Buchstabe steht für die Höchstgeschwindigkeit, die mit dem Reifen erreicht werden kann.
Ein Reifen mit der Kennzeichnung 225/55 R19 99H bedeutet daher zum Beispiel:
- 225 = Reifenbreite in mm
- 55 = Verhältnis Höhe/Breite in %
- R19 = Bauart radial, 19 Zoll Felgendurchmesser
- 99 = Tragfähigkeitsindex bis 775 kg pro Reifen
- H = Geschwindigkeitsindex bis 210 km/h
OE-Reifen und weitere zugelassene Reifen
Neufahrzeuge sind i. d. R. mit Erstausrüstungsreifen (oder OE-Reifen = Original Equipment) ausgestattet, die vom Hersteller optimal ausgewählt werden. Erkennbar sind sie an bestimmten Kürzeln, wie etwa ein + bei Volkswagen, AO bei Audi oder MO bei Mercedes. Du könntest daher einfach die gleichen Reifen erneut kaufen.
Willst du andere Reifen montieren, musst du erst sicherstellen, dass sie unter den alternativen Reifendimensionen im Zulassungsschein gelistet sind. Darüber hinaus kannst du alle Reifen verwenden, die in den Certificate of Conformity (CoC)-Papieren angegeben sind. Die bekommst du beim jeweiligen Fahrzeughersteller. Alle anderen Reifen müssen durch eine befugte Prüfstelle eingetragen werden.
Immer mehr Anbieter haben für Elektroautos optimierte Reifen im Programm. Sie zeichnen sich u. a. durch einen geringen Rollwiderstand, gleichzeitig guten Grip und hohe Tragfähigkeit aus.
Reifenzustand: Wann Ganzjahresreifen ersetzt werden müssen
Neben den Regelungen, die festlegen, wann ein Reifen gesetzlich nicht mehr benutzt werden darf, gibt es einen Ermessensspielraum, der in deiner Verantwortung liegt. Kontrolliere daher regelmäßig Reifenzustand und -profil, um rechtzeitig reagieren zu können.
Mindestprofil und Reifenzustand
Für Ganzjahresreifen gelten die gleichen Mindestprofiltiefen wie für Sommer- und Winterreifen. In Österreich müssen Ganzjahresreifen daher im Sommer mindestens 1,6 mm Restprofiltiefe aufweisen und im Winter mindestens 4 mm. In Deutschland sind im Sommer und Winter 1,6 mm Restprofil gesetzlich ausreichend – es gibt aber eine dringende Empfehlung, bei weniger als 4 mm an einen Reifentausch zu denken. Insbesondere bei Ganzjahresreifen, die immer einen Kompromiss darstellen, sollte das daher auch beherzigt werden.
Die Mindestprofiltiefe ist leicht an den 1,6 mm hohen eingearbeiteten Gummistegen in den Reifenrillen erkennbar. Um die 4 mm Mindestprofil abzuschätzen, leistet auch eine 2-Euro-Münze Hilfe. Wenn der Rand zur Gänze in der Rille verschwindet, beträgt das Restprofil noch mindestens 4 mm. Wer es exakt wissen möchte, greift zu einem Reifenprofil-Tiefenmesser.
Achtung Länderunterschiede
Die unterschiedliche Mindestprofiltiefe kann u. U. zu Problemen führen. Z. B. dann, wenn deutsche Urlauber:innen bei winterlichen Verhältnissen auf österreichischen Straßen unterwegs sind und die Reifen bereits weniger als 4 mm Restprofil aufweisen. Während das der in Deutschland gültigen Gesetzeslage entspricht, sind in Österreich die Anforderungen an Winterreifen nicht mehr erfüllt.
Alter und Produktionsdatum
Reifen unterliegen auch unabhängig der Be- und Abnützung einem Alterungsprozess. Der Gummi wird hart und spröde, die Fahreigenschaften können darunter leiden und im schlimmsten Fall löst sich die Lauffläche ab. Es gibt keine gesetzliche Vorgabe, aber die Empfehlung lautet, Ganzjahresreifen ca. 6 bis 8 Jahre nach Produktion zu erneuern. Da sie unter wechselnden Bedingungen eingesetzt werden, altern sie i. d. R. etwas schneller als Saisonreifen. Eine regelmäßige augenscheinliche Inspektion auf spröde Abnützungen und Risse ist daher wichtig.
Das Produktionsdatum erfährst du ganz einfach anhand der DOT-Nummer. Sie befindet sich an der Reifenwand in einem ovalen Feld und besteht aus vier Ziffern: die ersten beiden stehen für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Jahr.
Weitere gesetzliche Vorgaben
In Österreich und Deutschland besteht eine situative Winterreifenpflicht – bei Schneefahrbahn, Glätte und Eis müssen Winterreifen am Kfz montiert sein. Alternativ dazu können Ganzjahres-/ Allwetterreifen bei jeder Wettersituation und ganzjährig benutzt werden. Es gibt keinen Stichtag und keine situative Einschränkung.
Für den Einsatz im Winter ist es Voraussetzung, dass sie genau wie Winterreifen mit dem Alpine-Symbol (dreigezacktes Bergpiktogramm mit Schneeflocke) gekennzeichnet sind und das erforderliche Restprofil vorhanden ist. Das vielen noch bekannte ältere M+S-Logo (Matsch plus Schnee) wurde übrigens 2018 durch das Alpine-Symbol ergänzt und wird sukzessive davon abgelöst.
Auf Straßen, wo Schneeketten vorgeschrieben sind, sind Ganzjahresreifen ungeeignet bzw. Gesetzes wegen nicht ausreichend.
Aber: Nachdem es keine allgemein gültige situative Beschränkung für den Einsatz von Ganzjahresreifen gibt, obliegt es nicht zuletzt auch der Eigenverantwortung, wann das Auto witterungsbedingt besser zuhause stehen bleiben sollte. Die Entscheidung ist dann individuell vom Fahrzeug, der Qualität des Reifenmodells und der Selbsteinschätzung abhängig. Die gleiche Überlegung gilt aber im Fall von Wetterextremen auch bei Saisonreifen.
Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen
Klar ist, Ganzjahresreifen müssen sowohl bei der Gummimischung (relativ weich) als auch beim Reifenprofil (Mischung aus Rillen und Lamellen) Kompromisse eingehen. In Summe gibt’s gegenüber Sommerreifen und Winterreifen sowohl Vor- als auch Nachteile.
Vorteile
Nachteile
Fazit: Hochwertige Ganzjahresreifen oft eine gute Alternative
Gute Ganzjahresreifen-Modelle sind sicher, leistungsfähig und langlebig – v. a. solange sie nicht regelmäßig im Grenzbereich oder in Wetterextremen benutzt werden. Wenn du sportlich fährst, viele Kilometer zurücklegst und in einer ländlichen oder alpinen Region mit viel Schnee lebst, bleiben Saisonreifen die bessere Wahl. Für Wenigfahrer:innen und in städtischen Regionen können Ganzjahresreifen eine gute und bequeme Alternative sein.
Tests zeigen, dass die Bandbreite von guter bis schlechter Performance bei Ganzjahresreifen größer als bei Saisonreifen ist. Wichtig ist daher, vor dem Kauf ausreichend Infos – z. B. anhand von unabhängigen Praxistests – einzuholen.
Du suchst vor der endgültigen Entscheidung noch Infos zu Saisonreifen? Sieh dir auch unseren ausführlichen Ratgeber zu Sommerreifen und Ratgeber zu Winterreifen an.
Häufige Fragen & Antworten
Worauf muss ich beim Kauf von Ganzjahresreifen achten?
Ganzjahresreifen müssen auf jeden Fall die Reifenkennzeichnung für Winterreifen (dreigezacktes Bergpiktogramm mit Schneeflocke) aufweisen. Achte auf unabhängige Testberichte zu Nass- und Trockengrip sowie Verschleiß – die Bandbreite an Qualität variiert bei Ganzjahresreifen stärker als bei Saisonreifen.
Wann dürfen Ganzjahresreifen verwendet werden?
Wie der Name schon sagt, dürfen sie mit korrekter Kennzeichnung und ausreichend Mindestprofil ganzjährig verwendet werden. Zweimal pro Jahr Reifen wechseln – wie bei Saisonreifen – fällt weg.
Was ist die Mindestprofiltiefe bei Ganzjahresreifen?
In Österreich sind es 4 mm, wenn du sie im Winter benutzt. Im Sommer sind es 1,6 mm, wie bei saisonalen Sommerreifen üblich. In Deutschland gelten 1,6 mm als Mindestprofiltiefe unabhängig von der Jahreszeit – es gibt aber die dringende Empfehlung, im Winter die 4 mm einzuhalten.
Wie gut sind Ganzjahresreifen im Vergleich zu Saisonreifen?
Qualitativ hochwertige Ganzjahresreifen bieten einen bequemen Kompromiss und funktionieren sowohl im Sommer als auch im Winter gut. Bei allen extremen Wetterbedingungen (Schnee, Eis, extreme Hitze, starker Regen) sind sie qualitativen Saisonreifen unterlegen. Diese bieten unter solchen Umständen mehr Grip, kürzere Bremswege und weniger Verschleiß.
Wie finde ich die passenden Reifen für mein Kfz?
Die Reifendimension sowie der Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitsindex müssen zu deinem Fahrzeug passen bzw. dafür zugelassen sein. Neben Erstausrüstungsreifen sind alle im Zulassungsschein aufgeführten Reifen erlaubt. Ebenso sind alle in den Certificate of Conformity (CoC)-Papieren des Fahrzeugherstellers gelisteten Reifen zugelassen.
Inhaltsverzeichnis
- Ganzjahresreifen: Vorteile, Nachteile und Tipps
- Reifenqualität: Praxistests und Reifenlabel
- Unabhängige Tests helfen weiter
- EU-Reifenlabel
- Der passende Reifen
- Reifendaten
- OE-Reifen und weitere zugelassene Reifen
- Reifenzustand: Wann Ganzjahresreifen ersetzt werden müssen
- Mindestprofil und Reifenzustand
- Alter und Produktionsdatum
- Weitere gesetzliche Vorgaben
- Vor- und Nachteile von Ganzjahresreifen
- Fazit: Hochwertige Ganzjahresreifen oft eine gute Alternative
- Häufige Fragen & Antworten
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